Babybauchfotos

Die Schwangerschaft ist ein hormoneller Ausnahmezustand mit merkwürdigen Folgen. Offenbar ist es unabdingbar, dass man sich mit seinem „Babybauch“ unbedingt künstlerisch aufbereitet in der Öffentlichkeit präsentiert. Man kann den Eindruck haben, dass eine ganze Industrie davon lebt, diesen Wunsch zu erfüllen.

Gipsabrücke und Fotos des (gerne auch bemalten) Bauchs werden von spezialisierten Künstlern und Fotografen aufwendig erstellt und können dann zu Hause an die Wand gehängt werden. Fünf Jahre nach Geburt des Kindes bestimmt immer noch ein von Besuchern gern kommentierter Blickfang in jeder Wohnung.

Wegbereiterin für diese Entwicklung war Demi Moore, die sich 1991 für das Titelblatt von „Vanity Fair“ hochschwanger ablichten ließ. Damals war es provokativ und aus Sicht der damaligen Betrachter von erschlagender Ästhetik. „Hut ab“ war damals meine Reaktion. Demi Moore traute sich damals etwas, was niemand zuvor wagte.

Aber wie es immer so ist: Was früher provakativ und cool war, wird irgendwann zu einem Massentrend, befeuert vor allem von jenen, die gerne mal cool und provokativ sein möchten und denen das im Gegensatz zu Frau Moore bei aller Anstrengung nicht gegeben ist.

Aber nun kommt die schlechte Nachricht: Es ist NICHT mehr cool. Denn spätestens seit nun Mariah Carey ihren Babybauch nackt und öffentlich präsentiert, kann man niemanden mehr raten, dies auch zu tun. Frau Carey ist musikalisch und vor allem menschlich ohnehin nur schwer zu ertragen (klar, sie ist privat bestimmt eine ganz nette Person – geschenkt), aber nun auch noch schwanger und nackt. War das wirklich nötig? Ab jetzt ist der nackte Babybauch von Prominenten ein No-Go und in etwas so cool wie ein Arschgeweih… sorry: Tätowierung oberhalb des Os sacrum.

3 Antworten auf „Babybauchfotos“

  1. Das Schlimme ist, dass jede, aber wirklich jede meint, sich nicht nur ablichten lassen zu müssen, sondern das auch noch im Web zeigen zu müssen. Egal, wie viele kilos Übergewicht und wie viele Streifen da mäandern – es muss an die Öffentlichkeit. Und den Fotografen fällt dazu absolut nichts Neues ein. Immer die gleichen zu Herzchen geformten Händen überm Bauchnabel, immer die gleichen Bäuche mit Schuhchen drauf – wie gähnend langweilig. Und noch was: Wen interessieren die mehr oder meistens weniger schönen Dessous, die Frau so trägt. Kann man für solche Bilder nicht wenigstens schöne Wäsche tragen?

  2. Volle Zustimmung. Mein Mann hat von mir zwar auch jeden Monat Fotos gemacht, aber die waren nur für mich zur Erinnerung (quasi wie ein Daumenkino. *g*), nicht für Gott & die Welt. Und volle Zustimmung auch zum obigen Kommentar – diese Fotos sehen immer gleich aus. Schuhchen, Schnuller, Herzchenfinger. Männerhände. Bauchknutschende Geschwisterkinde. Penaten-Smiley-Malerei. Langweilig hoch drei.

  3. Ach, man muss nicht kritisieren oder diskutieren, ob das cool ist, wenn Mariah Carey das macht, denn natürlich hat die Frau ausreichend viele Fans, die sich genau das auch gewünscht haben und happy mit derartig qualitätsvollen Coverfotos, weniger qualitätsvollen Twitterfotos sind. Hauptsache bleibt doch in Amerika wird die Frau sofort aus dem Restaurant gebeten, wenn sie kurz vor dem öffentlichen Stillverscuh ihres Babys einen Hauch Nippel zeigt.

    Was das Thema Fotografie anbelangt,ich verdiene damit mein Geld, wenn auch nicht gerade mit Schwangeren-, Babyfotografie. Aber das möge man bitte den künftigen Eltern, jungen Eltern selbst überlassen, wie sie ihr Familienglück dokumentiert haben wollen. Die Motive mögen immer gleich sein aber es sind ja nun mal dennoch immer andere Individuen auf den Fotos, und das sind eben die Auftraggeber. Denen bedeuten diese Fotos viel! Und es gibt übrigens auch in der Schwangerenfotografie andere Möglichkeiten, die werdende Mutter abzubilden. Nur sie versteht sich ab einem bestimmten Bauchumfang oftmals nicht mehr als die Person, die nun heiße Unterwäsche tragen will, die sie vorher bei einem Erotikshoot getragen hat (davon abgesehen, ist das auch eine Preisfrage sich Erotikwäsche als Schwangere leisten zu können, sofern es diese überhaupt gibt. Die Kreativ ist dennoch breit gestreut, wenn der Kunde aber ins Studio kommt und genau ein Motiv im Kopf hat, dann ist der Kunde König. Das hat weniger mit mangelnder Kreativität des Fotografen zu tun.

    Ich – habe heute nicht mehr viel Familie – und zehre davon, dass ich Fotos aus meiner Kindheit habe, es sind Erinnerungen. Bauchknutschende Geschwisterkinder mögen langweilig hoch drei sein, wenn eines der Geschwisterkinder vielleicht verunfallt und nicht mehr ist, dann ist genau so ein Foto das höchste Gut der gesamten Familie.

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