indische-kuh-auf-der-strasseDie Wege des Herrn sind unergründlich. Dasselbe gilt auch für indische Kühe, wie ich auf meinem Kurz-Trip nach Indien feststellen musste.

Als Tourist selbst ein Auto zu fahren, sollte man sich in Indien schwer überlegen. Ich habe schon überall auf der Welt so einige wilde Autofahrer gesehen und erlebt, der Strassenverkehr in indischen Städten schlägt jedoch alles. Wer zuerst zuckt, hat keine Vorfahrt, so offenbar das oberste Gesetz und „Nichtzucken“ bedeutet vor allem in möglichst hoher Geschwindigkeit draufzuhalten und das beste zu hoffen.

Irgendwie schaffen die indischen Fahrer es jedoch ziemlich zuverlässig, zu erkennen, ob der Gegner bessere Nerven haben wird und schwerer Kollisionen bleiben aus. Wenn der Gegner eine Kuh ist, dann stößt auch der einheimische Fahrer an seine Grenzen, wie ich (erfreulicherweise nicht am eigenen Leibe) selbst erfahren musste.

Von Bombay nach Nashir führt eine recht gut ausgebaute Überlandstrecke, oft sogar vierspurig, so dass dort schnell und relativ entspannt gefahren werden kann. So entspannt, dass ich auf der Rückbank eingenickt bin. Aufgewacht bin ich wieder, als unser Fahrer voll in die Eisen stieg (was jedoch nicht zu einer wesentlichen Verzögerung des Fahrzeugs führte). Vor uns und mit hoher Geschwindigkeit näherkommend eine indische Kuh mit typisch schwankender Gangart auf dem Weg von hier nach irgendwo oder in unsere Windschutzscheibe.

Wir näherten uns in hohem Tempo, die Bremsversuche fruchteten wenig und es war klar, dass es entweder knapp oder brenzlig werden würde. In 10 m Abstand machte die Kuh unerwartet einen neuen Schlenker, der vom Fahrer mit einem ebenso ausgeprägten Schlenker beantwortet wurde, der sich in angsteinflüssendem Schlingern fortsetzte. So schwankten und schlingerten Kuh und Auto aufeinander zu. Zeit, die Augen zu schließen und den Lebensfilm ablaufen zu lassen. Als es dann fürchterlich krachte, dachte ich, dass nun das Tier unfreiwillig den Weg in unser Auto gefunden hätte.

Ich traute mich dennoch, die Augen zu öffnen und sah, dass der linke Außenspiegel fehlte und hinter uns die Kuh ihren unter deutlicher Zunahme des Schwankens ihren Weg fortsetzte.

Ein aufmunternder Blick nach hinten, kurz gegrinst und unser Fahrer stand schon wieder auf dem Gas und sprach den denkwürdigen Satz „You never can predict the ways of a cow„.

Ehrlich gesagt, geht mir dieser indische Fatalismus manchmal ziemlich auf den Zeiger….

 

2 Responses to You never can predict the ways of a cow

  1. Sören sagt:

    Wow, sehr amüsiert während der Lektüre. Schreiben kannst Du also auch…

  2. […] nach Indien vor. Das mache ich ja immer mal wieder und über indische Kühe habe ich hier auch bereits mal etwas geschrieben. Für den aktuellen Trip habe ich einen kleinen Vortrag vorbereiten müssen. Zwar in Englisch, aber […]

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