Neulich in der Sprechstunde. „Was muss man tun, um schwanger zu werden? Kann man selbst etwas dazu beitragen?“ Es folgt ein kleiner Vortrag meinerseits über mögliche Maßnahmen. Jedoch auch der Hinweis darauf, dass wir als Ärzte und Patienten bei allen Bemühungen nicht frei sind von Zufällen und Glück. Der richtige Embryo muss dabei sein, wenn man mit Hilfe der künstlichen Befruchtung schwanger werden möchte. Wir können lediglich versuchen, möglichst perfekte Voraussetzungen für diesen Fall zu schaffen.

„Ob dann also eine Schwangerschaft eintritt oder nicht, ist spätestens ab dem Transfer nur noch sehr bedingt in unserer Hand. Ob es dann letztlich klappt, hängt vom Zufall/Glück – oder wie immer Sie es nennen wollen – ab.“

Nun ergreift der Mann – türkischstämmig, mindestens dritte Generation – das Wort. Selbstverständlich in perfekter Anwendung seiner Alltagssprache (Deutsch):“Ich verstehe. Als Gläubiger würde man also sagen, dass dann alles Weitere in Allahs Hand liegt.“

Nun bin ich wirklich niemand, der dem unsäglichen Begriff der „Leitkultur“ folgend das Christentum als allein selig machend ansehen würde, finde mich aber als Nochkirchensteuerzahler ungerechtfertigt stigmatisiert und lasse dies meinen Gegenüber wissen:“Falsch. Aus Sicht der Ungläubigen ist es in Allahs Hand. Als Gläubiger sähe ich es eher in Gottes Hand.“

Mein Gesprächspartners reagiert verwirrt.“Naja, in meinem sozialen Umfeld sind halt die Ungläubigen alle Nichtmoslems, die anderen also. Das ist auch gar nicht böse gemeint, sondern eher eine sehr übliche Beschreibung.“ – „Aber doch eine ziemlich unhöfliche.“

Wir lassen die Götter außen vor und einigen uns auf Zufall.

 

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